Deutliches Zeichen gegen die Braunkohle!

Klimacamp Hohenmölsen ein voller Erfolg – Bericht vom Camp 2012

Nahe der Abrisskante des Tagebaus Profen fand vom 21. bis 23. August 2012 auf Einladung des Bündnisses „Zukunft statt Braunkohle – Region Lützen“ zum ersten Mal ein Klimacamp im sachsen-anhaltinischen Hohenmölsen statt. Das Camp auf dem Gelände des ehemaligen Landratsamtes bot Klimaengagierten aus der Region und von außerhalb einen Raum für Diskussionen und Informationsaustausch rund um das Thema Braunkohle und Alternativen für die Region.

In dem breiten Bündnis „Zukunft statt Braunkohle – Region Lützen“ sind regionale, landes- und bundesweit agierende Verbände und Initiativen vernetzt, die sich gemeinsam gegen den von der MIBRAG geplanten 660-Megawatt-Braunkohleblock in Profen sowie den Neuaufschluss des geplanten Tagebau Lützen einsetzen. Neben der Bürgerinitiative Röcken, Sössen & Lützen, dem Leipziger Ökolöwen und Klimagerechtigkeit Leipzig sind auch der BUND Sachsen-Anhalt, die klima-allianz deutschland und der Landesverband der Grünen Sachsen-Anhalt sowie deren Jugendorganisation in dem Zukunftsbündnis zusammengeschlossen.

Drei Klimacamps gegen Braunkohle in Deutschland
Das Hohenmölsener Camp war eines von insgesamt drei Klimacamps, die im vergangenen Sommer in allen wichtigen deutschen Braunkohlerevieren stattfanden. Gemeinsam war den Protestevents im Rheinland, in der Lausitz und im Burgenlandkreis die Kritik am Bau neuer Braunkohlekraftwerke und die Ablehnung von geplanten Tagebauen. Der deutschen Anti-Kohle-Bewegung gelang es mit den drei gut besuchten Camps ein starkes Zeichen für eine zukunftsorientierte und klimafreundliche Energiegewinnung zu setzen.

Abwechslungsreiches und informatives Programm
Die Zusammensetzung des Hohenmölsen-Camps war bunt gemischt: Neben jungen Menschen aus der Region waren auch Interessierte aus Berlin oder Brüssel angereist. Burgenländer/innen stellten den organisatorischen Rahmen und Anwohner aus Dörfern, die dem Tagebau-Bagger weichen mussten, nutzten die Gelegenheit, um über die frustrierende Erfahrungen ihrer Umsiedelung zu berichten.

Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde ein vielfältiges und interessantes Programm geboten – neben Workshops, Exkursionen und Vorträgen kamen auch Vernetzung und Austausch nicht zu kurz. Die Bandbreite der diskutierten Themen reichte vom Systemkonflikt zwischen den Erneuerbaren Energien und alten, unflexiblen Großkraftwerken über die Darstellung der aktuellen energiewirtschaftlichen Situation Sachsen-Anhalts bis zu einem Ausblick zur Erreichung von 100% Erneuerbare Energien bis spätestens 2050. Außerdem wurde über Erfahrungen aus dem Anti-Braunkohle-Widerstand, beispielsweise in der Lausitz oder den Protesten gegen unterirdische CO2-Verpressung in der Altmark, referiert.

Die Solararchitektin Astrid Schneider stellte in einem sehr interessanten und mit zahlreichen Grafiken und Statistiken unterlegten Input die Szenarien der zukünftigen Energieversorgung vor. Dabei machte sie deutlich, dass Braunkohle-Verstromung weder mit den Klimaschutzzielen noch mit dem zukünftigen, auf Erneuerbare Energien ausgerichteten Stromsystem kompatibel ist. Bilanzierend hielt sie fest, dass die Energiewende machbar ist und auch schon vor 2050 zu erreichen ist – wenn jetzt der Netzausbau vorangetrieben und Speichertechnologien erforscht werden.

In einem packenden Augenzeugenbericht schilderte Lena Shimada ihre Erlebnisse während der Katastrophe im japanischen Fukushima. Die Studentin aus Halle, die zum Zeitpunkt der Atomkrafthavarie ein Auslandssemester in Japan machte, erzählte von den staatlichen Vertuschungsversuchen und den immer massiver werdenden Protesten gegen die Atomkraft. Im Anschluss gab es eine angeregte Nachfragerunde und rege Diskussionen.

Abwechslungsreich war der gemeinsame Besuch auf dem Wochenmarkt, wo mit selbstgebackenem Anti-Kohlekraftwerks-Gebäck für die Abschluß-Podiumsveranstaltung geworben wurde.

Exkursionstag zum Tagebau Profen und zum Grab Nietzsche
Einen Höhepunkt bildete der Exkursionstag, auf dem ein Besuch der Nietzsche-Gedenkstätte in Röcken sowie eine Besichtigung des Tagebau Profen auf der Agenda standen. Mit dem Aufschluss des neuen Tagebaufeldes Lützen müssten das Geburtshaus, die Taufkirche, das Museum und die Grabstätte des Philosophen Friedrich Nietzsche weichen. Hierrüber berichtete Pfarrer Joachim Salomon, der auch durch die Ausstellung zu Leben und Wirken des Philosophen. Bei der anschließenden Rundfahrt durch den Tagebau, der in sieben Jahren ausgekohlt sein soll, verdeutlichten sich den Camp-Teilnehmer/innen die ökologischen und landschaftszerstörenden Folgen der Braunkohleabbaggerung.

Krönender Abschluss: Podiumsdiskussion “Braunkohle: Hemmschuh oder Brücke?
Den krönenden Abschluss des Camps bildete die Podiumsdiskussion am letzten Abend. Die Veranstaltung unter dem Titel „Braunkohle: Hemmschuh oder Brücke – Energiewende und Zukunftsperspektiven in der Region“ war mit über 60 interessierten Zuhörer/innen für die Region außerordentlich gut besucht. Auf dem hochkarätig besetzten Podium saßen mit Oliver Wendenkampf (Geschäftsführer des BUND Sachsen-Anhalt), Roswitha Uhlemann (Betriebsratsvorsitzende MIBRAG), Grünen-Landtagsabgeordneter Dorothea Frederking und CDU-Landtagsabgeordnetem Jürgen Scharf sowohl Braunkohlekritiker als auch -befürworter. In der von Birger Zentner von der Märkischen Zeitung moderierten Debatte äußerten sich die Grünen-Abgeordnete Frederking und der BUND-Geschäftsführer Wendenkampf deutlich ablehnend gegenüber den Planungen der MIBRAG. Anstelle eines auf Jahrzehnte laufenden und Millionen Tonnen CO2 emittierenden Braunkohlekraftwerks seien jetzt Investitionen in Erneuerbare Energien notwendig, um eine zukunftsfähige Energieversorgung zu sichern und die Arbeitsplätze bei dem regionalen Energieversorger zu sichern.

Dem setzten der CDU-Mann Scharf und MIBRAG-Betriebsratsvorsitzende Uhlemann in einer lebhaften Debatte entgegen, dass für sie Atom- und Kohlestrom auch im Energiemix der Zukunft eine relevante Rolle spielen wird. Außerdem stellten sie die traditionelle Bedeutung der Braunkohle für die Region heraus und argumentierten mit damit verbundenen Arbeitsplätzen. Mit diesen Argumenten konnten sie die Kritiker nicht überzeugen und das Fazit der BI-Sprecherin Annika Rothe war zum Abschluss des Abends deutlich: „Wir wollen den Tagebau nicht und lehnen ein Kohlekraftwerk ab.“

Klimacamp Hohenmölsen: ein voller Erfolg!
Zusammenfassend ist das Camp ein großer Erfolg gewesen. Die Diskussionen waren sehr spannend und anregend, die Inputs informativ und die Vernetzung für die Aktiven außerordentlich wichtig. Das Klimacamp in der Region, in der eine Jahrhundertelange Braunkohle-Tradition existiert, war ein Novum. Umso erfreulicher ist, dass auch über die Stadtgrenzen von Hohenmölsen hinaus bekannt wurde, dass der Widerstand gegen Braunkohle-Tagebaue und -Verstromung vor Ort sehr lebendig ist und dass er auch in den kommenden Jahren für eine zukunftsfähige Energieversorgung eintreten wird.

zum Programm

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Presseberichte:

MDR-Bericht vom 21.08.2012 „Protestcamp gegen geplantes Braunkohlekraftwerk“

Mitteldeutsche Zeitung (MZ) vom 24.08.2012 „Drei Tage Klimacamp“

MZ-Interview mit Sigrid Altendorf vom 21.08.2012 „Es ist noch lange nicht fünf vor zwölf“

Bericht der Veranstaltung in der MZ vom 24.08.2012 „Hemmschuh oder Brücke?“

Artikel im Neuen Deutschland vom 23.08.2012 „Zelten gegen die Brücke ins Nichts“